Die entscheidenden Trainingskilometer sind absolviert und die Vorbereitung ist weitgehend abgeschlossen. Aktuell befinde ich mich in der Tapering-Phase, in der weniger bewusst mehr ist. Als Tapering bezeichnet man die gezielte Reduktion des Trainingsumfangs in den letzten Tagen oder Wochen vor einem wichtigen Wettkampf. Die Belastung wird kontrolliert zurückgefahren, ohne sämtliche Trainingsreize zu streichen. So kann der Körper angesammelte Ermüdung abbauen, die Muskulatur regenerieren und die Energiespeicher auffüllen, während die über Monate erarbeitete Leistungsfähigkeit erhalten bleibt. Für mich bedeutet das aktuell kürzere und deutlich dosiertere Einheiten, genügend Schlaf sowie ein konsequenter Fokus auf Regeneration.
Im Rahmen der Wettkampfvorbereitung habe ich an der Universität Basel eine sportmedizinische Untersuchung und einen Leistungstest absolviert. Solche Untersuchungen erfassen unter anderem Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit sowie Körperzusammensetzung und ermöglichen eine fundierte Standortbestimmung für Training und Gesundheit.
Die erhobenen Werte ergaben aus sportmedizinischer Sicht ein ausgesprochen starkes Gesamtbild für einen Ultramarathonläufer der Altersklasse M55+. Besonders auffällig ist die auf Ausdauerleistung ausgerichtete Körperzusammensetzung. Wenig nicht leistungsrelevante Masse und damit gute Voraussetzungen für einen ökonomischen Bewegungsablauf über sehr lange Distanzen.
Auch die Messwerte zur Zellgesundheit sind erfreulich. Es fanden sich keine Hinweise auf versteckte Ödeme oder entzündliche Prozesse im Gewebe. Die Werte sprechen zudem für eine gute zelluläre Regeneration und einen sehr guten Hydrationszustand. Für die bevorstehende Belastung ist das eine wichtige Momentaufnahme. Entscheidend bleibt, den Körper bis zum Start konsequent zu schonen und auf seine Signale zu achten.
Der niedrige Körperfettanteil reduziert die Masse, die bei jedem Kilometer bewegt werden muss und unterstützt damit die Laufökonomie. Günstige körperliche Voraussetzungen helfen zudem bei der Wärmeabgabe. Sie ersetzen jedoch weder eine durchdachte Flüssigkeitsversorgung noch ein dem Wetter angepasstes Renntempo.
Für nächsten Samstag werden weiterhin warme Temperaturen erwartet. Seit Mitte Juni trainiere ich nahezu täglich unter sommerlichen Bedingungen und konnte meinen Körper dadurch schrittweise an die Hitze gewöhnen. Diese Hitzeakklimatisation kann dazu beitragen, früher und effizienter zu schwitzen und die Belastung besser zu regulieren. Trotzdem werde ich die Bedingungen ernst nehmen, kontrolliert anlaufen, regelmässig trinken und die Versorgung während des Rennens konsequent einhalten.
Die Vorbereitung ist gemacht, die sportmedizinischen Werte stimmen zuversichtlich und die letzten Tage gehören der Erholung. Jetzt gilt es, ruhig zu bleiben, Vertrauen in die geleistete Arbeit zu haben und am Samstag Schritt für Schritt das abzurufen, was in den vergangenen Monaten aufgebaut wurde.
Live dabei: Das Rennen kann unter https://my.raceresult.com/367807/live live verfolgt werden.
