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Winterzauber

Die letzten Tage hat sich der Winter von seiner besten Seite gezeigt und heute gab es eine ganz besondere Premiere: der erste Schnee! Bei Minus 5 Grad schnürte ich meine Laufschuhe und machte mich auf den Weg. Als ich das Haus verliess, strahlte der Mond noch am Himmel. Schon bald entschwand er und machte Platz für die Sonne, die allmählich die kühle Winterlandschaft erhellte.

Es war herrlich, bei diesen Bedingungen zu trainieren. Kaum ein Geräusch war zu hören, nur das Rauschen der kalten Bise und das Knirschen des Schnees. 

Winterliche Trainingseinheiten bieten nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern sie zeigen auch, dass man selbst bei frostigen Temperaturen und Schnee seine Laufeinheiten problemlos durchziehen kann. 

Letzter LongRun im 2025

Die entscheidende Phase der Wettkampfvorbereitung ist erreicht. In dieser Woche stand der letzte lange Lauf auf dem Programm, bevor es in die finale Tapering-Phase geht. Die Beine fühlten sich stark an, die Motivation ist hoch und das Training hat mir noch einmal das nötige Selbstvertrauen für den bevorstehenden Wettkampf gegeben.

Jetzt heisst es, die letzten Tage ruhig anzugehen, dem Körper Erholung zu gönnen und die Vorfreude auf den großen Tag zu genießen. Am 10. Januar 2026 stehe ich an der Startlinie des 12-Stundenlaufs in Jegenstorf.

Wenn alles anders kommt als geplant

Donnerstagmorgen, kurz vor 10 Uhr. Der grosse Tag für meine Hauptprobe stand bevor und 60 Kilometer auf dem Plan. Dieser Testlauf sollte nicht nur meine Physis, sondern auch meine mentale Stärke auf die Probe stellen. Mein Ziel war es, mit einem guten Gefühl und gestärktem Selbstbewusstsein an den Start des bevorstehenden Ultramarathons zu gehen.

Voller Motivation und mit dem festen Willen, die Distanz effektiv durchzuziehen, startete ich in den Lauf. Die ersten Kilometer liefen optimal. Doch schon bald stellte sich heraus, dass das Training anders verlaufen würde als geplant. Plötzlich trat eine heftige Übelkeit auf, die es mir unmöglich machte, zu trinken oder zu essen. Zum Erlebnis «Kotzen» verzichte ich auf weitere Ausführungen. 

Mit leerem Magen und schwindender Energie kämpfte ich mich weiter. Bei Kilometer 40 kam der nächste Rückschlag. Ich knallte auf den Asphalt, meine Knie und Hände waren aufgeschürft. Doch Aufgeben ist auch im Training keine Option! Also aufstehen, Blut abwischen und weiterrennen.

Mit jedem weiteren Kilometer wurde das Energiedefizit spürbarer. Auch wenn ich langsamer wurde, blieb ich in Bewegung. Ich zog das Training bis zum Ende durch. Am Ende zählte nicht die sportliche Höchstleistung, sondern meine mentale Standhaftigkeit.

Die Hauptprobe verlief definitiv anders als erwartet. Oft sind es gerade diese vermeintlich „misslungenen“ Einheiten, die uns die wertvollsten Lektionen erteilen. In solchen Momenten zeigt sich, was wirklich zählt: Durchhalten, selbst wenn alle Anzeichen gegen einen sprechen – das ist die wahre Kunst im Ultralauf und im Leben insgesamt.

Zurück im grünen Bereich

Endlich konnte ich wieder einmal richtig Kilometer sammeln. Fast vier Wochen lang hat mich eine hartnäckige Erkältung ausgebremst – aber jetzt bin ich zurück im Training und fühle mich so energiegeladen wie schon lange nicht mehr. Ich spüre mit jeder Einheit, wie die Power zurückkommt.

Der Fokus meiner Trainingseinheiten lag in dieser Woche klar auf Länge statt auf Intensität. Lange Läufe standen im Mittelpunkt, um wieder eine solide Basis aufzubauen. Auf intensive Intervalle und harte Tempoeinheiten habe ich bewusst verzichtet, um meinem Körper die Chance zur vollständigen Regeneration zu geben.

Jetzt steigt die Spannung. In der kommenden Woche wartet ein längerer Testlauf auf mich, der zeigt, ob ich bereit bin für einen Ultrawettkampf im Januar. Die Vorfreude und auch ein wenig Nervosität steigen. Schließlich ist so ein Test immer auch ein Gradmesser, wie gut der Weg zurück gelungen ist.

Parkrun +

Am 6. Dezember 2025 fand die 200. Austragung des Dreiländergarten Parkruns in Weil am Rhein statt. Gemeinsam mit dem Basel Running Club und vielen weiteren Laufbegeisterten feierten wir dieses Jubiläum auf der fünf Kilometer langen Strecke. Passend zum Datum absolvierte ich die zwei Runden verkleidet als Santiglaus und liess mich von Michelle pacen – oder vielleicht war es auch umgekehrt. Bei ihrer ersten Teilnahme gelang ihr direkt eine beeindruckende neue Bestzeit. Nach dem Zieleinlauf legte ich Mantel und Bart ab und machte mich anschliessend auf zur 45 Kilometer langen Auslaufrunde.

Mauerweglauf 2026

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn eine Rechnung offen bleibt? Genau so geht es mir mit dem Mauerweglauf in Berlin. 2026 steht nicht nur ein weiteres sportliches Abenteuer vor der Tür – es ist auch die Chance auf Wiedergutmachung, Revanche und die Jagd auf eine persönliche 100 Meilen Bestzeit.

Die Startnummer ist bereits gesichert, der Flug und das Hotelzimmer sind gebucht. Im August 2026 werde ich zum zweiten Mal an den Start des Mauerweglaufs gehen und auf exakt 160,934 Kilometern einmal das ehemalige West-Berlin umrunden. Die Strecke verläuft entlang der ehemaligen Mauer und folgt dabei weitgehend dem Verlauf der innerdeutschen Grenze.   

Meine erste Teilnahme am Mauerweglauf im Jahr 2013 war alles andere als ein perfekter Lauf. Ich verlief mich nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals. Am Ende standen nicht die vorgesehenen 160,934 Kilometer auf meiner Uhr, sondern stolze 180 Kilometer. Trotz aller Widrigkeiten und Umwege war das Erlebnis unvergesslich, aber eben auch ein wenig enttäuschend.

Die Fehler von damals sind meine Motivation für morgen. Ich will mich nicht noch einmal verlaufen. Ich will die 160,934 Kilometer bezwingen – ohne Umwege, dafür mit jeder Menge Leidenschaft, Freude und Respekt vor der Strecke und der Geschichte dahinter.