Vorermüdung

Nach dem Marathon ist vor dem Ultra. Eigentlich nur eine Floskel, doch in dieser Woche wurde sie für mich zur harten Realität. Normalerweise heisst es nach 42,195 Kilometern Beine hochlagern und regenerieren. Aber dieses Mal war alles anders. Der Marathon in Freiburg war kein Ziel, sondern nur ein Mittel zum Zweck – ein Baustein in meinem Ultratraining. Statt Pause, hiess es voll weitertrainieren. Ich wollte meine Bänder, Sehnen und Muskeln für den anstehenden Backyard Ultra in Hallwil noch einmal unter maximalen Stress setzen. Es ging darum, den Körper an den Punkt zu bringen, an dem er eigentlich „Stopp“ sagt aber der Kopf dann trotzdem weiterläuft. Der Plan ist voll aufgegangen. Gegen Ende der Woche, als die Erschöpfung eigentlich am grössten sein sollte, lief es plötzlich richtig gut. Der Körper schaltete in einen Modus, den man nur durch diese extreme Belastung erreicht. Die Hausaufgaben sind also gemacht. Die harten Kilometer sind in den Beinen. Für die nächsten drei Wochen schalte ich einen Gang runter. Dafür verlagert sich der Fokus jetzt auf die mentale Vorbereitung und der Kopf wird für den Backyard programmiert.

Freiburg Marathon

Vor einer Woche kam ich spontan zu einer Startnummer für den Freiburg Marathon. Ich bin selbst überrascht, wie gut es auf den kurzen Strecken noch läuft – Top Ten in der Altersklasse! Das war heute mein 114. Wettkampf über die Marathondistanz-oder-länger.

Formtest

Die drei Quali-Einheiten dieser Woche im Überblick:

  • 10 Kilometer Tempodauerlauf
  • 6 × 1000 Meter Intervalle + 8 Kilometer mittleres Tempo (MRT)
  • 39,5 Kilometer EasyLongrun

Fazit: Die Form passt — jetzt ist es Zeit für einen (spontanen) Wettkampf. Da im Mai noch ein Backyard geplant ist, halte ich das nächste Rennen kurz und starte am kommenden Sonntag in Freiburg beim Marathon.

Grundlagentraining

Die beiden vergangenen Samstage drehten sich um den Marathon. Mein Ziel war, die 42,195 km im Training knapp unter 3:30 Stunden zu laufen. Ich blieb bei beiden Versuchen jedoch über dieser Marke. Nicht tragisch, weil der Schwerpunkt klar auf dem Umfang und nicht auf dem Tempo lag. So haben sich in den letzten 14 Tagen eine solide Anzahl Kilometer angesammelt, die eine wertvolle Grundlage für den weiteren Formaufbau schaffen.

Woche 13 (23. bis 29. März 2026):

Flachetappe

5:30 Uhr, der Wecker rattert. Kein Zögern – die Laufschuhe an und ab zum Bahnhof. Der Zug bringt mich nach Mulhouse, dem Startpunkt des heutigen Longruns. Dort angekommen, geht es direkt los. 6 Grad und Dauerregen, also perfekte Bedingungen, um Kilometer zu sammeln. Die Strecke führt zunächst entlang des Rhein‑Rhône‑Kanals, später weiter am Kanal von Hüningen. In Basel zeigt die Uhr 40 Kilometer an, doch das Ziel ist noch nicht erreicht. Eine zusätzliche Schlaufe ist nötig, um die 50 Kilometer vollzumachen.

nocarb

Das Schwellentraining zeigt klare Wirkung: Selbst bei meinen langen Einheiten verbessert sich die Laufgeschwindigkeit von Woche zu Woche – und das ohne zusätzlichen Trainingsaufwand. Seit nunmehr drei Wochen absolviere ich meine LongRuns konsequent in der Nocarb-Strategie. Konkret bedeutet das, dass ich vor und während des Trainings vollständig auf Kohlenhydrate verzichte. Die letzte Mahlzeit nehme ich jeweils am Abend vor dem LongRun ein. Vor dem Start ins Training genügt mir eine Tasse schwarzer Kaffee. Dadurch wird der Körper gezielt dazu angeregt, Fett als primäre Energiequelle zu nutzen. Diese verbesserte Fettverbrennung erweist sich insbesondere bei langen Läufen als spürbarer Vorteil.

schnell-schnell-lang

Diese Woche stand im Zeichen der Qualität – drei Einheiten, die es in sich hatten: schnell, schnell und lang. Was bedeutet das? Als Ultramarathonläufer weiss ich, dass es nicht nur auf die Kilometer ankommt, sondern auch auf die Intensität der Trainingseinheiten.

Am Dienstag war es Zeit für den ersten Test: 5x 6 Minuten im knackigen Schwellenlauftempo. Mit jeder Wiederholung spürte ich, wie sich mein Körper an die Belastung gewöhnt, während die Beine brannten. Dazwischen lagen 90 Sekunden Trabpause. Diese Art von Training ist mehr als nur körperliche Härte; es ist eine Lektion in mentaler Stärke. 

Kaum hatte ich mich vom Dienstag erholt, wartete am Donnerstag schon die nächste Herausforderung. Hier standen 12x 90 Sekunden auf dem Programm – wieder schnell, wieder intensiv, mit nur 40 Sekunden zum Durchatmen dazwischen. Diese kurzen, schnellen Intervalle bringen meinen Puls in neue Höhen und sind ein echtes Mentaltraining: Nicht aufgeben, wenn es brennt!

Den Abschluss bildet wie gewohnt die lange Einheit am Samstag. Da ich aktuell noch nicht im Ultratraining stecke, sind die langen Läufe am Wochenende etwas kürzer als sonst – aber sie bilden trotzdem das zentrale Element meiner Wochenroutine. Zusammen mit den regenerativen Trainings kamen 110 Kilometer zusammen.

Jede dieser Einheiten fordert mich auf ihre eigene Weise heraus. Von schnellen Intervallen über erschöpfende Schwellenläufe bis zum ausgedehnten Trainingslauf am Wochenende – so bleiben Motivation und Abwechslung hoch. Ich spüre, wie ich von Woche zu Woche stärker werde.